Vielleicht kennen Sie das bereits: Eine scheinbar harmlose Bemerkung, die Ihnen den ganzen Tag im Kopf herumspukt, eine angespannte Atmosphäre, die Sie sofort spüren, ohne dass jemand ein Wort sagt, oder das Gefühl, stärker betroffen zu sein als andere, während manche scheinbar viel schneller darüber hinwegkommen.
Wenn es Ihnen so geht, sind Sie nicht allein. Manche Menschen sind besonders feinfühlig. Sie nehmen mehr Nuancen wahr: in Blicken, in Stille, in unausgesprochenen Worten.
Wir sprechen oft von Hypersensibilität. Sie ist keine Schwäche, sondern eine Fähigkeit, mehr emotionale Informationen aufzunehmen und intensiver zu erleben.
Das Problem ist also nicht das Fühlen an sich, sondern die Anhäufung dieser Informationen. Denn wenn alles schneller und intensiver auf Sie wirkt, müssen Sie auch mehr Informationen häufiger verarbeiten. Und schließlich macht sich Erschöpfung breit. In einem anspruchsvollen Berufsumfeld oder in komplexen Beziehungen kann sich ein Gefühl der Müdigkeit und Überforderung einstellen, manchmal sogar ohne ersichtlichen Grund.
Mit der Zeit entwickeln manche Menschen so etwas wie einen „emotionalen Radar“. Es ist natürlich kein echtes Radar. Es bedeutet lediglich, dass Ihr Gehirn viele Signale gleichzeitig analysiert: Reaktionen, Spannungen, Stimmungsänderungen. Und diese Fähigkeit hat auch ihre Vorteile. Sie ermöglicht es Ihnen oft, andere besser zu verstehen, Konflikte vorherzusehen oder schnell zu erkennen, wenn etwas nicht stimmt.
Doch durch diese ständige Aufmerksamkeit für alles kommt man manchmal nicht mehr zum Atmen.
Wie geht man also damit um?
Erster Schritt: Unterscheiden Sie zwischen dem, was zu Ihnen gehört und dem, was nicht. Anders gesagt: Was ist tatsächlich passiert, und wie haben Sie es interpretiert? Schon die Rückbesinnung auf die Fakten hilft Ihnen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Beispielsweise könnte ein Kollege auf Ihre Nachricht kurz angebunden reagieren, einfach weil er überfordert ist, nicht unbedingt, weil er wütend auf Sie ist. Die Unterscheidung zwischen Fakten und unseren Vorstellungen kann bereits viel Spannung abbauen.
Zweiter Punkt: Lernen Sie, Ihre Gefühle zu benennen. Einfache Worte für ein Gefühl zu finden – „Ich bin angespannt“, „Ich bin überfordert“ – hilft, sich nicht völlig davon beherrschen zu lassen.
Dritter Hebel: Verbinde dich wieder mit deinem Körper. Wenn Emotionen hochkochen, reicht es nicht, nur im Kopf zu bleiben. Atmen, Spazierengehen, Bewegung, Meditation, Sport – alles, was dich in den gegenwärtigen Moment zurückholt, hilft, die Intensität zu reduzieren.
Schließlich spielt das Umfeld eine entscheidende Rolle. Manche Beziehungen wirken beruhigend. Andere hingegen verstärken die emotionale Belastung. Wenn du sensibel bist, macht es einen großen Unterschied, dich mit klareren, einfacheren und sichereren Beziehungen zu umgeben.
Das Ziel ist nicht, weniger sensibel zu werden, sondern zu lernen, nicht alles aufzunehmen. Denn diese Sensibilität hat auch ihre Vorzüge: Sie ermöglicht es uns, Nuancen zu erfassen, andere tiefer zu verstehen, aufmerksamer, präziser und menschlicher in unseren Interaktionen zu sein. Intensiv zu fühlen ist kein Makel. Zu lernen, diese Sensibilität besser zu verstehen, kann jedoch alles verändern.
Céline MAGNANO
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